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Nein, ich bin kein Grinch!

Weihnachten. Wunderbarer Lichterzauber, magisches Kaufhausgerangel, glitzernde Oberflächlichkeit. Darunter brodelt es. Bis zum Zerreissen angespannt sind die Nerven. Ein Besuch im Supermarkt des Vertrauens wird zum Spießrutenlauf – wer mit dem Einkaufswagerl bremst, verliert. Spätestens an der Kassa.

Auch heuer bin ich wieder mittendrin statt nur dabei. Ich haste vom Weihnachtsbasteln in der Schule zur Querflöten-Vorspielstunde, vom Weihnachtskonzert zum „Sehen-wir-uns-vor-Silvester-noch-Treffen?“, von Briefings zu Abgabeterminen. Deadline-Panik, Jahres-Endzeitstimmung. Ich arbeite als Texterin in der Werbebranche. Klingelt es bei dir?

Das könnte das Christkind sein. Bei mir ist es das Handy: „Dieses eine Projekt, noch ganz schnell vor Weihnachten? Nur ein kurzer Text, ach bitte … wäre das irgendwie möglich?“

Ist gut, weil du es bist, mein Lieblingskunde – und weil ich jetzt dann zwei Wochen auf Urlaub bin. Kein Umsatz und so, eh schon wissen.

Nur noch X Tage bis Weihnachten

Lustig fröhliche Weihnachts-Postings blinken mich in sozialen Medien an. Da ein Adventkalender, dort ein Special-Bonus bis Weihnachten. Schnell zuschlagen. Bitte nicht wörtlich nehmen – auch nicht an der Supermarkt-Kassa.

Überhaupt kommt mir vor, dass nach dem 24. Dezember wahrscheinlich alles anders ist. Unter Umständen erscheint da dann ein schwarzes Loch und frisst uns alle auf. Uns Texter, Designer, Werber und ganz sicher jene Berufsgruppe, der jetzt mein allergrößtes Mitgefühl gebührt – die Handelsangestellten.

Die erleben jetzt ja den Hardcore-Horror. Extraschichten, Horden von Menschen, die in Weltuntergangserwartung die Regale stürmen. So als müssten wir zwischen dem Weihnachtsbraten und den Vanillekipferln den Löffel wegen akuter Unterernährung abgeben.

Ich mag Weihnachten. Wirklich.

Ich geb’s zu, ich klinge wie eine Mischung aus Ebenezer Scrooge und dem Grinch. Dabei bin ich das gar nicht.

Ich liebe Weihnachten. Wirklich. Ich kann das sogar beweisen, denn schon 2016 habe ich beschrieben Warum ich Weihnachten trotzdem mag!“

Diese Weihnachtsliebe habe ich übrigens von meiner Mum. Sie liebt die Adventzeit, die Lichter, den Glitzer, das Bling-Bling – und die Geschenke. Nämlich nicht die, die sie selber bekommt, sondern jene, die sie macht.

Dass sie vor lauter Vorfreude aufs Schenken prinzipiell im Vorhinein verrät, was den Beschenkten erwartet, macht ihre Weihnachtsfreude noch liebenswerter.

Die Vorweihnachtszeit in meiner Kindheit war dank meiner Mutter eine Zeit des Zaubers und der Magie. Die Zeichnungen und Briefe, die ich zwischen den doppelt verglasten Fenstern unserer Altbauwohnung abends deponiert habe, waren am nächsten Morgen immer verschwunden.

Die Engerln habe mir als Dankeschön ein mit Marmelade gefülltes Lebkuchenherz hinterlassen. Nur hin und wieder waren sie etwas vergesslich und haben mein Kunstwerk erst einen Abend später abgeholt. Aber hej, die Task Force des Christkinds hat in der Vorweihnachtszeit ja auch wirklich alle Hände voll zu tun.

Ich bin in der Zwischenzeit täglich ein bisschen mehr in meine ganz persönliche Weihnachtsgeschichte eingetaucht. Der von meinem Papa selbstgebastelte Adventkalender ließ in einer Art Bilderrahmen Tag für Tag neue Figuren erscheinen. Und auch wenn ich ihn im Laufe der Zeit in- und auswendig kannte – es war es doch jedes Jahr aufs Neue eine im Bauch kitzelnde Freude, eine weitere Figur aus ihrem Versteck auf die Waldlichtung vor der Krippe schieben zu dürfen.

Aranzini kann ich bis heute nicht ausstehen.

Das Highlight dieser Wintertage waren immer die Adventsonntage. Wir sind im dunklen Wohnzimmer vor dem Lichterglanz der Adventkranzkerzen gesessen. Den selbstgebackenen, gefüllten Lebkuchen, der dazu serviert wurde, habe ich dankend abgelehnt. Ich kann Aranzini bis heute nicht ausstehen.

Dafür liegt mir noch immer der Duft der Weihnachtsmischung in der Nase, jenes in der Tasse dunkel glänzenden Schwarztees, der im Haus meiner Eltern auch heute noch zum Advent-Pflichtprogramm gehört.

Die Gespräche, die wir vor dem Adventkranz führten und die Geschichten, die wir uns erzählten, waren mein Rettungsanker bei der so langweiligen und mühsamen Warterei aufs Christkind.

Langweilig ist mir seither schon lange nicht mehr gewesen. Schon gar nicht im Advent. Aber ich bemühe mich dennoch den Weihnachtszauber, den ich in meiner Kindheit erlebt habe, auch in meiner Familie durch besondere Momente zum Leben zu erwecken.

Mit mehr oder weniger großem Erfolg. Vielleicht bekomme ich das mit der Weihnachtsstimmung nicht ganz so magisch hin wie meine Mutter damals. Dennoch gebe ich mir Mühe, zwischen all den Verpflichtungen den Raum und die Zeit für Stille und Besinnlichkeit zu finden.

Wobei … Wenn ich beim Keksebacken am ersten Adventwochenende nach dem ersten Blech alleine in der Küche stehe, während mein Töchterlein lieber in ihrem Zimmer verschwindet, verfluche ich meinen Enthusiasmus bereits ein wenig.

Dafür kann ich mich an ihren strahlenden Augen gar nicht sattsehen, wenn sie morgens voller Begeisterung das nächste Säckchen ihres Adventkalenders öffnet – von mir höchstpersönlich befüllt, versteht sich!

Der Adventkalender meiner Kindheit, der selbstgebastelte, ist selbstverständlich auch noch immer im Einsatz. Da fällt mir ein, nächstes Jahr, sollte ich ihn VOR dem 24. Dezember aufhängen …

Die einsame Skihütte ist trotzdem keine Option für mich.

Kürzlich hat mir übrigens ein guter Freund erzählt, er würde sich am liebsten zu Weihnachten irgendwo am Berg in einer einsamen Skihütte verbarrikadieren – nur um dem Trubel an den Festtagen und in der Zeit davor zu entgehen.

Der Gedanke ist verlockend, das muss ich schon zugeben … vor allem in der Zeit zwischen 1. und 20. Dezember. Aber andererseits – wer würde dann zwischen all der Hektik, zwischen Abgabeterminen und Deadlines das Christkind für mich suchen?

Genau. Deswegen bin ich auch heuer hier geblieben. Und mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit triffst du mich auch im nächsten Advent nicht auf der Skihütte, sondern hier in meiner kleinen, feinen Wortspielerei. Dann ganz sicher wieder mit neuen, nicht immer ganz ernstgemeinten, Gedanken zur Weihnachtszeit.

Ich wünsche dir und deiner Familie von ganzem Herzen ein frohes Weihnachtsfest und viele magische Momente!

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3 comments on “Nein, ich bin kein Grinch!

  1. Liebe Margit,
    deine gemischten Gefühle zu Weihnachten kann ich sehr gut nachvollziehen. Die habe ich nämlich auch (jedes Jahr auf Neues).

    Ich bin spät daran, aber ich hoffe, du hattest ein frohes Weihnachtsfest, einige magische Momente und bis gut ins neue Jahr gekommen!

    Eine feste Umarmung

    Marta

    • Liebe Marta,

      vielen Dank für deine lieben Zeilen! Ja, ich bin gut im neuen Jahr angekommen – mit ganz viel Weihnachtsfreude und neuer Energie!

      Dir und deiner Familie alles Liebe, viel Glück und Gesundheit für 2020!
      Bis bald, Margit

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